Acting as a national inter- and transdisciplinary network, the forum promotes knowledge and discourse about landscape and landscape-changing processes. It advocates sustainable design, development and safety concepts. The forum focuses on the Alps as well as parks and protected areas.more

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Klimaschutz und Landschaft

Wind energy
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Wie wirken sich Massnahmen im Zusammenhang mit dem Klimawandel auf die Landschaften der Schweiz aber auch global aus? Bislang wurde kaum über die Landschaftsrelevanz einer umfassenden Dekarbonisierung diskutiert. Die Frage, welchen landschaftlichen Preis die Gesellschaft z.b. für die Senkenstrategien und die Produktion bzw. Speicherung von erneuerbaren Energien zu zahlen bereit ist, muss Eingang in die politische Diskussion finden, bevor tiefgreifende Landschaftsveränderungen geplant und umgesetzt sind.


Sowohl der Kampf gegen den Klimawandel wie auch die Anpassung an diesen dürfte unser heutiges Gesellschafts- und Wirtschaftssystem tiefgreifend verändern – und auch die Landschaft umgestalten. Dabei hat sich unser Land, das mit seinen überdurchschnittlichen CO₂-Emissionen auch international eine grosse Verantwortung trägt, mit der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens zu einer Reduktion der klimawirksamen Gase auf Netto Null CO₂-Äquivalente verpflichtet. Zugleich gilt es, Anpassungsstrategien zu entwickeln, um den vermehrten Extremereignissen wie Hitzewellen und Unwettern standzuhalten.


«Dekarbonisierung!» So lautet der Imperativ, wenn es darum geht, Gesellschaft und Wirtschaft von fossilen Brenn- und Treibstoffen auf Elektrizität umzustellen, die aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Zudem ist es unabdingbar, den Energieverbrauch gesamthaft deutlich zu senken. Denn es wird kaum möglich sein, Öl, Gas und Kohle eins zu eins durch elektrische Energie zu ersetzen.

Der Ausbau erneuerbarer Energie wird nicht ohne erhebliche Eingriffe in die Landschaft erfolgen können: Realisierbare Wasserkraftreserven sind weitgehend ausgeschöpft, und die Photovoltaik, der ein grosses Potenzial zugesprochen wird, beansprucht für die Solarpaneele viel Fläche. Diese dürften – wie auch die Windränder – das Erscheinungsbild bisher noch unverbauter Landschaften stark verändern, was vielerorts auf Widerstand aus der Gesellschaft stossen könnte. Lösungen werden auch für die Energiespeicherung entwickelt werden müssen, die je nach verwendeter Technik ebenfalls mit Auswirkungen auf die Landschaft verbunden ist.


Die Produktion von Fleisch, Milch und Käse setzt viel klimaschädliches Methan frei, sodass eine Senkung des Viehbestands oder zumindest der Wechsel auf andere Nutztierarten dringend erforderlich ist. Dies hätte beträchtliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild, ebenso wie klimaverträgliche Anbaumethoden und die Stärkung einer regionalen Kreislaufwirtschaft.

Die Technik wiederum hält Mittel bereit, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre zurück zu holen und zu speichern. Daneben gilt es, natürliche Klimasenken wie etwa Feuchtgebiete zu entwickeln oder, im Fall von Wäldern, zu erhalten und aufzuforsten.


Im Zug des Klimawandels sind häufigere Wetterextreme zu erwarten. Zusätzliche Schutzbauten werden Gebäude und Infrastrukturen vor Schäden durch Rutschungen, Murgänge, Hochwasser und andere Naturgefahren abschirmen müssen. Allenfalls wird es gar erforderlich sein, Wohnbauten an besonders exponierten Stellen aufzugeben. Der Schutz des Klimas und die Anpassungen an seinen Wandel hinterlassen deutliche Spuren in der Landschaft.

Auch städtische Landschaften werden sich auf den Klimawandel einstellen müssen. Grünräume und Gewässer werden hier eine wichtige Rolle spielen, um urbane Hitzeinseln abzukühlen. Das Erscheinungsbild der Gebäude wird sich ebenfalls verändern, wenn diese zunehmend selber Strom produzieren und Wärme speichern.

Absehbare Zielkonflikte zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energiequellen und neuen Wildnisstrategien, die der Natur Freiräume offen lassen wollen, verdienen aus Sicht des FoLAP grosse Aufmerksamkeit. Dabei gilt es auch, die landschaftlichen und ökologischen Kosten gegen den energiepolitischen Nutzen abzuwägen. Des Weiteren ist zu untersuchen, inwiefern gesteigerte Energieeffizienz bzw. sparsame Verwendung von Energie (Suffizienz) helfen können, wertvolle Natur- und Kulturlandschaften zu erhalten.

Der Beitrag, den die Landschaft bei der Bewältigung der Klimakrise leisten kann, gilt es ebenfalls in den Blick zu nehmen. So stellt sich etwa die Frage, wie die Entwicklung der Siedlungen zu steuern wäre, damit diese die Klimakrise besser bewältigen können. Die Bedeutung der Landschaft bzw. ihrer Elemente in ihrer Eigenschaft als CO₂-Senke ist ebenfalls zu untersuchen.

Auch im Hinblick auf die bestehenden und noch zu entwickelnden Instrumente der Raum- und Landschaftspolitik erkennt das FoLAP Forschungsbedarf. Was heisst beispielsweise «Netto Null regional», und was braucht es, damit eine Region Netto Null erreicht? Wäre es möglich, Klimaregionen als regionalpolitische Pilotprojekte zu entwickeln, und würden sich hierfür die Naturpärke eignen? Werden die vorhandenen landschaftspolitischen Instrumente überhaupt genutzt, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen – oder muss der landschaftspolitische Werkzeugkasten um neue Elemente erweitert werden?


Mit den Wechselwirkungen von Landschaft und Klimawandel befassen sich in der Schweiz zahlreiche Ämter und Organisationen. Zu nennen sind dabei insbesondere zahlreiche wissenschaftliche Institutionen der Landschafts- und Biodiversitätsforschung, ausserdem die Energieforschungsstellen des Bundes sowie Klimaforschungsstellen der Akademien Schweiz, ausserdem die Wasser- und Energiewirtschaft und weitere. Das FoLAP strebt an, sie alle in der Auseinandersetzung mit Fragen rund um die Folgen des Klimawandels auf die Landschaft einzubinden.

Autorenteam: Dominik Siegrist (Fachhochschule OST), Adrienne Grêt-Regamey (ETH Zürich), Evelyn Coleman-Brantschen (HAFL), Jörg Balsiger (UniGE), Matthieu Raemy (BLW)

Anmerkungen: Das FoLAP identifizierte in den fünf Kernthemen (Landschaft und Gesundheit, Landschaftskultur, Lebensstile und Landschaft, Klimaschutz und Landschaft, Räumliche Beziehungen) den grössten Handlungsbedarf hinsichtlich einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung. Zur Förderung des politischen Diskurs und des gesellschaftlichen Transformationsprozesses braucht es dabei neben dem Zusammentragen des bestehenden Wissens grössere zusätzliche Forschungsanstrengungen und eine Intensivierung des Dialogs zwischen Forschung und Praxis. Das FoLAP versteht die Kernthemen als Auftrag an sich und seine Community: Sie stehen damit auf der Agenda des FoLAP und sind eine Einladung an Institutionen und Akteure, sich ebenfalls in diesen Themengebieten aktiv zu engagieren.. Mehr erfahren

Politische und wirtschaftliche Relevanz & Aktualität des Themas

Aktuelle Volksinitiativen: Biodiversitätsinitiative, Landschaftsinitiative, Gletscher-Initiative

Paris Agreement und COP

Relevante Schlüsselfragen

Auswirkungen des Ausbaus der erneuerbaren Energieerzeugung und der Speicheranlagen auf die Landschaft (inkl. Baukultur und Biodiversität)? Zielkonflikt zwischen erneuerbarer Energieerzeugung und neuen Wildnisstrategien?
Auswirkungen von Adaptations- und Mitigationszielen auf urbane Landschaften.
Welche Szenarien ergeben sich im Zusammenhang mit den neuen Gletschervorfeldern und Gletscherseen? Welche in Bezug auf die Planung und den Bau von Windenergieanlagen, Geothermie, Speicheranlagen und Übertragungsleitungen?
Welche landschaftlichen und ökologischen Kosten stehen welchem energiepolitischen Nutzen gegenüber? Welche internationalen und grenzübergreifenden Wechselwirkungen sind betroffen?
Kann mit einer Strategie der Energieeffizenz und des Energiesparens (Suffizienz) ein Beitrag zur Erhaltung wertvoller Natur- und Kulturlandschaften geleistet werden? (vgl. FoLAP-Kernthema "Gesundheit")
Welche Implikationen ergeben sich für die Schweiz mit ihren überdurchschnittlichen CO2-Emissionen bezüglich Landschaftsentwicklungen ausserhalb des eigenen Landes?

Wie verändert sich die Landschaft (und die Biodiversität) durch die direkten und indirekten Folgen der Klimaerwärmung ?
Welchen Beitrag kann die Landschaft bei der Bewältigung der Klimakrise leisten, unter Berücksichtigung der künftig zu erwartenden Landschafts- und Siedlungsentwicklung in der Schweiz?
Wie kann insbesondere die urbane Siedlungsentwicklung so gesteuert werden, dass die Klimakriese besser bewältigt werden kann?
Welche Funktion kann die Landschaft bezüglich CO2-Senkenstrategien übernehmen, in Städten aber auch im Zusammenhang mit einer klimaverträglichen Landwirtschaft bzw. dem Rückzug der Landwirtschaft aus der Fläche?
Welchen Beitrag leistet die Landschaft zur Kühlung von Siedlungs- und Erholungsräumen und zur Förderung der Biodiversität (blau-grüne Infrastruktur)?
Welche Landschaftsveränderungen entstehen durch veränderte Freizeitnutzungen, z.B. Rückgang des Schneesports und neue, schneeunabhängige Outdoor-Trends?

Inwiefern werden existierende Instrumente im Zusammenhang mit den Herausforderungen des Klimawandels überhaupt genutzt? Brauchen erweiterte bzw. neue landschaftspolitische Instrumente?
Welche Implikationen ergeben sich aus der Netto-Null–Strategie hinsichtlich der Raum- und Landschaftsplanung?
Was heisst Netto Null regional und was braucht es, damit eine Region Netto Null wird? Können Klimaregionen als regionalpolitische Pilotprojekte entwickelt werden? Wären hierfür die Naturpärke geeignet?
Was sind die internationalen Auswirkungen einer inländischen Netto-Null–Strategie? Und umgekehrt, wie beeinflussen internationale Entwicklungen und n Wechselwirkungendas Erreichen einer Netto-Null-Strategie der Schweiz?

Auf Anfrage schicken wir Ihnen das vollständige Kernthemenpapier inkl. Quellenangaben. Die Kernthemenpapiere werden sporadisch ergänzt und bearbeitet.
Schreiben Sie uns auf folap@scnat.ch