Top of Hochgebirgsforschung: Zwei junge Forscher erhalten den Prix de Quervain 2021

Die älteste bekannte Hochgebirgssiedlung auf fast 3500 Metern und das Schmelzen am Monte Rosa: Die jungen Wissenschaftler Alexander Groos und Enrico Mattea erhalten für ihre exzellente Hochgebirgsforschung den Prix de Quervain 2021 der Kommission für Polar- und Höhenforschung der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

Alexander Groos / Enrico Mattea
Bild: S. Erlwein / E. Mattea

Alexander Groos untersuchte in seiner Dissertation an der Universität Bern zusammen mit Forschenden der Universität Addis Abeba, Äthiopien, und weiterer europäischer Universitäten die Umwelt-, Klima- und Menschheitsgeschichte in den Bale Mountains im Äthiopischen Hochland. Demnach war das tropische Gebirge vor 40’000 bis 30’000 Jahren grossflächig vergletschert und kühlte stark ab. Die Forschenden entdeckten die bisher älteste bekannte Hochgebirgssiedlung auf fast 3’500 Metern Höhe in der Nähe der damaligen Talgletscher. Das Schmelzwasser der Gletscher war wohl für die steinzeitlichen Jäger, die vor 45’000 bis 30’000 Jahren in den Bale Mountains siedelten, eine zentrale Ressource, sagt Groos.

Enrico Mattea hat in seiner Masterarbeit an der Universität Freiburg – in Zusammenarbeit mit der Universität von Uppsala (Schweden) und ARPA Piemont (Italien) – die Entwicklung des Gletschers auf dem Colle Gnifetti (4450m) im Monte-Rosa-Massiv untersucht. Wegen des ältesten in den Alpen vorhandenen Eises (bis rund 19'000 Jahre vor heute) eignet sich das Gebirge ausgezeichnet für die Eiskernforschung, um das Klima der vergangenen Jahrtausende nachzuzeichnen. Selbst auf dieser Höhe ist das Umweltarchiv durch die globale Erwärmung bedroht, wie Mattea nachwies. Mit numerischen Modellrechnungen und Daten von hochalpinen Messstationen konnte Mattea die vorherrschenden Energie- und Masseflüsse am Colle Gnifetti detailliert berechnen. Dabei zeigt sich, dass nun selbst in dieser Höhenlage die Schneeschmelze zunehmend wichtig wird für die Massen- und Energiebilanz dieser hochalpinen Gletscher.

Der Prix de Quervain 2021 wird von der Schweizerischen Kommission für Polar- und Höhenforschung (SKPH) der Akademien der Wissenschaften Schweiz zusammen mit der Jungfraujochkommission der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz und der Stiftung für Alpine Forschung am 18. November im Alpinen Museum in Bern verliehen. Der Prix de Quervain wird jährlich ausgeschrieben, alternierend für Polar- bzw. Höhenforschung. Er ist an junge Forschende (bis 35-jährig) gerichtet, die ihre seit maximal zwei Jahren abgeschlossene Master- oder Diplomarbeit, Dissertation oder andere Forschungsarbeit (z.B. Post-Doc) einreichen können. Das Preisgeld beträgt insgesamt 5'000 CHF.

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Dr. Christoph Kull
Akademien der Wissenschaften Schweiz
Schweizerische Kommission für Polar- und Höhenforschung (SKPH)
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